Bildungsbericht 2026 legt Fokus auf soziale Ungleichheiten

veröffentlicht 16.06.2026, Fachbereich Kinder und Jugend im Zentrum Bildung in Kindheit und Jugend

Heute wurde der 11. Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ veröffentlicht – eine umfassende empirische Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens, die von Bund und Ländern gemeinsam gefördert wird.

Der Bericht analysiert Bildungsverläufe von der frühen Kindheit bis zur Erwachsenenbildung und beleuchtet dabei auch non-formale und informelle Lernprozesse.

Soziale Ungleichheiten als zentrales Schwerpunktthema

Ein besonderer Fokus des diesjährigen Berichts liegt auf den Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft. Die Daten zeigen: Der Bildungserfolg in Deutschland hängt nach wie vor stark von der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Situation ab, in der Kinder und Jugendliche aufwachsen. Trotz Fortschritten in den letzten Jahren bleiben strukturelle Benachteiligungen bestehen – insbesondere für Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen, geringem Bildungsniveau der Eltern oder Migrationshintergrund.

Kernbefunde zu sozialen Disparitäten:

  • Frühe Bildung: Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben seltener Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE). Dies wirkt sich langfristig auf ihre Bildungsbiografien aus.
  • Schulische Laufbahnen: Der erste Schulabschluss und der Übergang in höhere Bildungsgänge sind für Kinder aus bildungsfernen Schichten weiterhin mit größeren Hürden verbunden. Die Wahrscheinlichkeit, das Abitur zu erreichen oder ein Studium aufzunehmen, ist für sie deutlich geringer.
  • Berufliche Bildung: Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischem Status erwerben seltener einen Berufsabschluss und sind häufiger von formaler Geringqualifizierung betroffen.
  • Hochschulzugang: Der Anteil von Studierenden aus nicht-akademischen Familien bleibt hinter dem der Kinder aus Akademiker:innenhaushalten zurück. Der Index of Economic, Social and Cultural Status (ESCS) zeigt, dass der Bildungserfolg eng mit dem kulturellen und ökonomischen Kapital der Eltern zusammenhängt.

Handlungsempfehlungen: Chancengerechtigkeit stärken

Die Autor:innengruppe – bestehend aus renommierten Forschungseinrichtungen wie dem DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) und dem Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) – betont die Dringlichkeit gezielter Maßnahmen:

  • Ausbau der frühkindlichen Förderung, insbesondere in sozial benachteiligten Stadtteilen.
  • Individuelle Unterstützung in Schulen, z. B. durch Mentoring-Programme und sozialpädagogische Begleitung.
  • Finanzielle Entlastung von Familien, um Bildungsinvestitionen (z. B. Nachhilfe, digitale Ausrüstung) zu ermöglichen.
  • Datenbasierte Steuerung von Bildungsangeboten, um gezielt dort ansetzen zu können, wo der Bedarf am größten ist.

Wissenschaftliche Unabhängigkeit und breite Expertise

Der Bericht wurde unter der Leitung einer Steuerungsgruppe von Bund und Ländern erstellt und von einem wissenschaftlichen Beirat unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Kerstin Schneider (Universität Wuppertal) beraten. Für das Schwerpunktthema soziale Ungleichheiten steuerten u. a. Prof. Dr. Eckhard Klieme (DIPF), Prof. Dr. Hanna Dumont (Universität Potsdam) und Prof. Dr. Marcel Helbig (LIfBi) ihre Expertise bei.

Daten und Fakten auf einen Blick

Der Bildungsbericht 2026 steht ab sofort unter www.bildungsbericht.de zur Verfügung. Dort finden sich auch alle Tabellen, grafischen Darstellungen und vertiefenden Analysen – inklusive der Marginalien zu jedem Indikator, die die Kernaussagen hervorheben.

Zitat der Autor:innengruppe:

„Bildung darf kein Privileg sein. Der Bericht zeigt: Wir müssen die Weichen für mehr Chancengerechtigkeit früh stellen – von der Kita bis zum Hochschulabschluss.“