Am 22. Oktober 2026 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit „Glauben entfalten – Segen empfangen – Welt gestalten. Grundlinien für Konfi-Arbeit und Konfirmation" (EKD-Text 145) einen neuen Grundlagentext veröffentlicht. Konfi-Arbeit gehört zu den wichtigsten und reichweitenstärksten Arbeitsfeldern unserer Kirche: Jedes Jahr feiern rund 125.000 Jugendliche ihre Konfirmation, etwa 80 Prozent der evangelischen Jugendlichen entscheiden sich für diesen Schritt. Der Text, erarbeitet von Expert*innen im Kammernetzwerk der EKD unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Ilg und Christine Poppe, bündelt aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis – unter anderem aus der dritten bundesweiten Konfi-Studie – und beschreibt in fünfzehn Aspekten, was gute Konfi-Arbeit ausmacht: Orientierung an den Lebenswelten Jugendlicher, Partizipation, vertrauensvolle Beziehungen, qualifizierte Mitarbeitende und ein gemeinsamer „Markenkern", der verlässlich macht, worauf Jugendliche und Familien zählen können.
Konfi-Arbeit und Jugendarbeit – ein eigenständiges Kapitel
Besonders begrüßen wir aus Sicht des Fachbereichs: Die Verknüpfung von Konfi-Arbeit und Jugendarbeit ist im Grundlagentext als eigener Aspekt guter Konfi-Arbeit aufgenommen (Kapitel 2.11 „Konfi-Arbeit und Jugendarbeit", S. 58 ff.). Der Text hält dafür ein klares Wort bereit: In vielen Landeskirchen würden Konfi-Arbeit und Jugendarbeit bislang „ohne sichtbare Verknüpfung" durchgeführt – obwohl sie dieselben Jugendlichen ansprechen und zahlreiche inhaltliche wie methodische Überschneidungen aufweisen. Eine „strikte Trennung von Konfi- und Jugendarbeit" erweise sich daher als „kontraproduktiv und pädagogisch nicht begründbar". Die dritte bundesweite Konfi-Studie zeigt, dass Kooperationen mit der Jugendarbeit – etwa durch gemeinsame Freizeiten, Camps oder Aktionen – die Qualität der Konfi-Arbeit deutlich verstärken und den Übergang in anschließende Angebote erleichtern. Jugendliche, die an Freizeiten mit Übernachtung oder an Kooperationen mit der Jugendarbeit teilnehmen, zeigen am Ende der Konfi-Zeit ein wesentlich größeres Interesse an kirchlichen Jugendgruppen und an ehrenamtlichem Engagement.
Im „Markenkern" des Textes heißt es dazu: Konfi-Arbeit wird nicht als Einzelereignis verstanden, sondern als Teil eines inklusiven, sozialraumorientierten und demokratisch geprägten Bildungsprozesses, „in dem Jugendarbeit mitwirkt". Wie bei einer Ellipse bilden Konfi- und Jugendarbeit „zwei erkennbare, aber aufeinander bezogene Brennpunkte eines evangelischen Angebots für junge Menschen". Sichtbar und spürbar verzahnen sich beide Bereiche dabei vor allem durch die Teamer*innen: Sie sind „Botschafter*innen der Jugendarbeit", deren Erfahrungen in der Konfi-Arbeit präsent sind. Wenn Konfirmand*innen Angebote der Jugendarbeit bereits mit Namen und Gesichtern verbinden können, fällt der eigene Einstieg leichter. Und als Übergang rückt der Text die Einladung zur Mitarbeitendenausbildung ins Zentrum, die unmittelbar nach der Konfirmation beginnt – begleitet durch Informationsveranstaltungen, persönliche Ansprache und erste verantwortliche Aufgaben in geschütztem Rahmen. So wird der Weg „von der Teilnahme zur aktiven Mitgestaltung kirchlicher Jugendarbeit bewusst gestaltet und nachhaltig unterstützt".
Ein Schwerpunkt unseres Fachbereichs
Genau diese Kombination von Konfi- und Jugendarbeit ist einer der Schwerpunkte unserer Arbeit. Die Konfi- und Jugendarbeit haben sich in den letzten Jahren wirksam aufeinander zubewegt: Im Schnittfeld der beiden Arbeitsfelder entfaltet sich insbesondere die Arbeit mit Konfi-Teamenden, die als junge Mitarbeitende ihren Platz in der Kirche suchen, finden und selbst gestalten wollen. Werden Konfi-Teamende selbst zu einer Gruppe, eröffnet sich eine echte Chance auf Jugendarbeit. Das erfordert eine „Doppelstruktur": Investition in die Vorbereitung innerhalb der Konfi-Arbeit und in die Gestaltung der Teamenden-Gruppe – denn die Jugendlichen haben Bedürfnisse und ein Recht auf ihre eigene Gemeinschaft.
Wir begleiten Pfarrerinnen, Gemeindepädagoginnen und Dekanatsjugendreferentinnen in diesem Miteinander, beraten zu Konzepten des Übergangs von der Konfi-Zeit in die Jugendarbeit und fördern kirchenweit Maßnahmen, die beide Arbeitsbereiche verbinden: Jugendwerke und Verbände ebenso wie Kirchengemeinden, Dekanate und Landesorganisationen können Zuschüsse für die Kombination von Konfi- und Jugendarbeit beantragen. Sichtbar wird die Verbindung etwa bei der KonfiRallye auf dem Jugendkirchentag. Der neue EKD-Grundlagentext bestätigt und ermutigt uns in diesem Kurs: Bewährte Elemente der Jugendarbeit in die Konfi-Zeit einfließen zu lassen – und umgekehrt Konfirmand*innen für das Engagement in Jugendgruppe, Verband und Jugendwerk zu begeistern.
Der Grundlagentext samt Begleitmaterialien, sieben Thesen und Überblickskarten zu Markenkern und Qualitätsdimensionen steht zum Download bereit – wir laden alle Verantwortlichen in Gemeinden und Dekanaten ein, den Text für die eigene Praxis zu nutzen. Ansprechpartner*innen bei Fragen zur Kombination von Konfi- und Jugendarbeit und zu Fördermöglichkeiten finden sich auf den Seiten des Fachbereichs.
Links
- EKD-Text 145 zum Download: www.ekd.de/grundlinien-konfiarbeit
- Arbeitsfeld „Kombination von Konfi- und Jugendarbeit" auf den Seiten des Fachbereichs: https://ev-jugendarbeit.ekhn.de/arbeitsfelder/kombination-von-konfi-und-jugendarbeit
- Förderung von konfirmandenbezogener Jugendarbeit: über den Fachbereich Kinder und Jugend der EKHN