Kinder und Jugend im Verfassungsschutzbericht 2025: Schutz und Prävention

veröffentlicht 06.07.2026, Fachbereich Kinder und Jugend im Zentrum Bildung in Kindheit und Jugend

Der Verfassungsschutzbericht 2025, am 30. Juni 2026 veröffentlicht, beleuchtet nicht nur Bedrohungen für die freiheitliche demokratische Grundordnung, sondern widmet sich auch der Frage, wie extremistische Tendenzen und Radikalisierung Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 6 bis 27 Jahren betreffen.

Einleitung

Für den Fachbereich Kinder und Jugend ist es von zentraler Bedeutung, diese Entwicklungen zu verstehen, um präventiv handeln zu können. Dieser Artikel fasst die relevanten Erkenntnisse des Berichts zusammen und zeigt auf, welche Rolle die Jugendarbeit in der Prävention spielen kann.

1. Kinder und Jugendliche als Zielgruppe extremistischer Bestrebungen

Der Bericht macht deutlich, dass extremistische Gruppierungen – ob rechtsextrem, islamistisch oder linksextrem – gezielt junge Menschen ansprechen. Besonders im Fokus stehen:

  • Rechtsextremismus: Jugendliche werden über soziale Medien, Gaming-Plattformen oder lokale Netzwerke angesprochen. Der Bericht warnt vor einer Zunahme rechtsextremer Propaganda, die gezielt an Unsicherheiten und Identitätssuchen junger Menschen anknüpft.
  • Islamismus: Radikalisierungsprozesse finden oft im digitalen Raum statt. Der Bericht betont, dass Kinder und Jugendliche über Chatgruppen, Videos oder gezielte Ansprache in Moscheen beeinflusst werden.
  • Linksextremismus: Auch hier spielen soziale Medien eine zentrale Rolle. Der Bericht verweist auf die Instrumentalisierung von Klimaprotesten oder sozialen Ungleichheiten, um junge Menschen für extremistische Ziele zu gewinnen.

2. Radikalisierung im digitalen Raum

Ein zentrales Thema des Berichts ist die Radikalisierung über das Internet. Besonders für die Altersgruppe 6–27 Jahre sind folgende Entwicklungen relevant:

  • Soziale Medien als Hauptplattform: Extremistische Gruppen nutzen Plattformen wie TikTok, Telegram oder Discord, um gezielt junge Nutzer:innen anzusprechen. Der Bericht warnt vor Algorithmen, die radikale Inhalte verstärken und so eine „Filterblase“ schaffen.
  • Gaming-Communities: Rechtsextreme und islamistische Akteure infiltrieren gezielt Online-Spiele, um Jugendliche zu rekrutieren. Der Bericht nennt Beispiele, in denen Chatfunktionen oder Voice-Channels für die Verbreitung extremistischer Ideologien genutzt werden.
  • Desinformation und Verschwörungsmythen: Besonders unter Jugendlichen verbreiten sich Falschinformationen und Verschwörungserzählungen rasant. Der Bericht betont, dass diese gezielt eingesetzt werden, um Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen zu schüren.

3. Präventionsarbeit: Die Rolle der Jugendarbeit

Der Verfassungsschutzbericht 2025 unterstreicht die Bedeutung der Jugendarbeit in der Prävention. Folgende Ansätze werden hervorgehoben:

  • Aufklärung und Medienkompetenz: Der Bericht empfiehlt, Medienkompetenzprogramme für Kinder und Jugendliche auszubauen, um sie vor extremistischer Propaganda zu schützen. Hier kann die Jugendarbeit eine zentrale Rolle spielen, indem sie Workshops und Schulungen anbietet.
  • Stärkung demokratischer Werte: Die Jugendarbeit sollte demokratische Bildung fördern, um junge Menschen widerstandsfähig gegen extremistische Ideologien zu machen. Der Bericht betont, dass Partizipation und Mitgestaltung wichtige Faktoren sind.
  • Zusammenarbeit mit Schulen und Eltern: Der Bericht regt an, die Kooperation zwischen Jugendarbeit, Schulen und Familien zu stärken, um frühzeitig Radikalisierungstendenzen zu erkennen und gegenzusteuern.
  • Beratungsangebote: Für Jugendliche, die bereits mit extremistischen Inhalten in Kontakt gekommen sind, sollten niedrigschwellige Beratungsangebote geschaffen werden. Der Bericht verweist auf die Arbeit von Beratungsstellen wie „Hayat“ oder „Violence Prevention Network“, die hier Unterstützung leisten.

4. Handlungsempfehlungen 

Auf Basis des Verfassungsschutzberichts 2025 lassen sich folgende konkrete Handlungsempfehlungen für die Arbeit mit 6- bis 27-Jährigen ableiten:

  • Sensibilisierung der Fachkräfte: Schulungen für Mitarbeiter:innen in der Jugendarbeit, um Radikalisierungsprozesse frühzeitig zu erkennen.
  • Digitale Präventionsformate: Entwicklung von Online-Angeboten, die Jugendliche über extremistische Strategien aufklären und ihnen kritisches Denken vermitteln.
  • Netzwerkarbeit: Engere Zusammenarbeit mit Schulen, Elternverbänden und Sicherheitsbehörden, um ein ganzheitliches Präventionsnetz zu schaffen.
  • Empowerment von Jugendlichen: Projekte, die jugendliche Multiplikator:innen ausbilden, um Gleichaltrige über Extremismusprävention aufzuklären.

Fazit

Der Verfassungsschutzbericht 2025 zeigt: Kinder und Jugendliche sind eine besonders vulnerable Zielgruppe für extremistische Bestrebungen. Gleichzeitig bietet die Jugendarbeit wichtige Ansatzpunkte für Prävention und Aufklärung. Durch Medienkompetenz, demokratische Bildung und enge Netzwerke leistet die Jugendarbeit schon jetzt einen entscheidenden Beitrag, um junge Menschen vor Radikalisierung zu schützen und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Link: https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/verfassungsschutzberichte/2026-06-30-verfassungsschutzbericht-2025.html