Um den Infektionsschutz sicherzustellen und den jeweils geltenden gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen, mussten Träger*innen und Mitarbeitende ihre Angebote kurzfristig und mehrfach anpassen. Diese Anpassungen betrafen sowohl die organisatorischen Rahmenbedingungen als auch die inhaltliche Ausgestaltung der Evangelischen Arbeit von, mit und für Kinder(n) und Jugendliche(n).
Getroffene Maßnahmen
Zu den zentralen Maßnahmen gehörten zeitweise vollständige oder teilweise Schließungen von Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie die Aussetzung von Gruppenangeboten, Projekten, Freizeiten und Veranstaltungen. In Phasen eingeschränkter Öffnung wurden strenge Hygiene- und Schutzkonzepte umgesetzt. Dazu zählten Abstandsregelungen, Maskenpflicht, regelmäßige Desinfektion, die Dokumentation von Kontaktdaten sowie die Begrenzung der Teilnehmendenzahlen. Viele Angebote konnten zunächst nicht und dann nur in festen Kleingruppen oder mit vorheriger Anmeldung stattfinden, was die Spontaneität und Offenheit der Jugendarbeit deutlich einschränkte.
Um weiterhin Kontakt zu jungen Menschen zu halten, wurden zahlreiche Angebote in den digitalen Raum verlagert. Online-Treffen, digitale Gruppenstunden, Videochats, digitale und telefonische Seelsorge, kreative Online-Workshops und Social-Media-Formate gewannen stark an Bedeutung. Darüber hinaus wurde verstärkt auf Einzelkontakte, telefonische Beratung, Chatangebote sowie – sobald möglich – aufsuchende und niedrigschwellige Angebote im öffentlichen Raum gesetzt. In einigen Bereichen wurden hybride Formate entwickelt, die digitale und analoge Elemente miteinander kombinierten.
Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche
Die Maßnahmen hatten spürbare Auswirkungen auf die Lebenssituation junger Menschen. Der Wegfall von Präsenzangeboten und informellen Treffpunkten führte zu einer deutlichen Reduzierung sozialer Kontakte außerhalb von Familie und Schule. Viele Kinder und Jugendliche berichteten von Einsamkeit, fehlender Tagesstruktur und dem Verlust von verlässlichen Bezugspersonen und Freizeitangeboten. Besonders belastend wirkte sich die Situation auf junge Menschen aus, die bereits vor der Pandemie in schwierigen Lebenslagen waren oder nur eingeschränkten Zugang zu digitalen Endgeräten und stabilen Internetverbindungen hatten.
Zudem wurden Beteiligungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Prozesse der Selbstorganisation, demokratischen Teilhabe und Gruppenbildung konnten nur eingeschränkt stattfinden oder mussten vollständig pausieren. Gleichzeitig zeigten sich vermehrt psychosoziale Belastungen wie Unsicherheit, Zukunftsängste, Motivationsprobleme und emotionale Überforderung. Die Evangelischen Arbeit von, mit und für Kinder(n) und Jugendliche(n) wurde in dieser Phase für viele junge Menschen vor allem zu einem wichtigen Ort der Orientierung, des Zuhörens und der individuellen Unterstützung.
Während des Jugendkirchentages 2024 waren einige Jugendliche mit den Menschenmengen überfordert. Es sind aus diesem Grund auch welche abgereist, das wurde uns aus mehreren Richtungen gespiegelt. Wir gehen davon aus, dass das eine Langzeitfolge der Isolation in Corona Zeiten war.
Auswirkungen auf Fachkräfte und Träger
Auch für die Mitarbeitenden der Evangelischen Arbeit von, mit und für Kinder(n) und Jugendliche(n) hatte die Pandemie weitreichende Folgen. Sie waren gefordert, ihre Arbeitsweisen kurzfristig umzustellen und neue Angebotsformate zu entwickeln, oft unter unsicheren und sich schnell verändernden Rahmenbedingungen. Der zusätzliche Planungs- und Organisationsaufwand, verbunden mit der Verantwortung für den Gesundheitsschutz, führte zu einer hohen Arbeitsbelastung.
Gleichzeitig erforderte die verstärkte Nutzung digitaler Formate den Aufbau neuer fachlicher und technischer Kompetenzen. Nicht alle Zielgruppen konnten über digitale Angebote erreicht werden, sodass Mitarbeitende der Evangelischen Arbeit von, mit und für Kinder(n) und Jugendliche(n) kontinuierlich abwägen mussten, wie Kontakt gehalten und Beziehungsarbeit aufrechterhalten werden konnte. Trotz dieser Herausforderungen entstanden innovative Ansätze und neue Formen der Ansprache, die auch über die Pandemie hinaus Impulse für die Weiterentwicklung der Evangelischen Arbeit von, mit und für Kinder(n) und Jugendliche(n) liefern.
Maßnahmen des Fachbereiches Kinder und Jugend der EKHN
Der Leiter sowie die Referent*innen haben alle Bestimmungen und Hilfen, die vom Bund, den beiden Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz, der EKHN, der Arbeitsgemeinschaft Ev. Jugend e.V. (aej), sowie dem Dt. Bundesjugendring (DBJR) kamen, gesichtet und zum Teil kommentiert an die Träger*innen und Mitarbeitenden weiter gegeben. Online-Beratungen wurden eingerichtet. Sobald wieder Freizeiten angeboten werden konnten, unter erschwerten Bedingungen, hat die EKHN einen Fonds aufgelegt, um die Mehrkosten, wie Hygienemaßnahmen, weniger Jugendliche im Bus, etc. zu finanzieren, der vom Fachbereich verwaltet und ausgezahlt wurde.
Der Jugendkirchtag, der bereits vorbereitet war für Wiesbaden, musste in Präsenz abgesagt werden und fand digital statt. Das Programm bestand aus vorproduzierten Inhalten und Live-Elementen (60% der Gesamtdauer vorproduziert, 40 % live). Während der Live-Übertragungen schauten im Schnitt 120 Haushalte zu. Insgesamt erzielten die vier Jugendkirchentags-Streams 4.618 Klicks. Der digitale Jugendkirchentag war für viele ein Trost, konnte das persönliche Erlebnis jedoch nicht ersetzen.
Gesamteinschätzung
Insgesamt hat die Covid-19-Pandemie die Bedeutung der Evangelischen Arbeit von, mit und für Kinder(n) und Jugendliche(n) als verlässlichen Bildungs-, Begegnungs- und Unterstützungsraum deutlich gemacht. Die Erfahrungen zeigten sowohl die Verwundbarkeit bestehender Strukturen als auch die hohe Flexibilität und Kreativität der Träger*innen und Mitarbeitenden. Die Pandemie hat bestehende soziale Ungleichheiten verschärft, zugleich aber auch den Bedarf an gut ausgestatteter, krisenfester und beziehungsorientierter Evangelischen Arbeit von, mit und für Kinder(n) und Jugendliche(n) nachhaltig verdeutlicht.