Neue Studie: Ehrenamtliches Engagement junger Menschen in Jugendverbänden

veröffentlicht 06.11.2026, Fachbereich Kinder und Jugend im Zentrum Bildung in Kindheit und Jugend

Wie es nach Corona um das junge Ehrenamt steht – und was das für unsere Arbeit bedeutet

Ehrenamtliches Engagement junger Menschen ist das konzeptionelle Kernelement von Jugendverbandsarbeit – auch in der Evangelischen Jugend ist das Engagement junger Menschen die Basis unserer Arbeit von, mit und für Kindern und Jugendlichen. Doch die Bedingungen, unter denen sich junge Menschen engagieren können, verändern sich: Gesellschaftliche Entwicklungen verändern die Lebensrealitäten junger Menschen, und die Einschränkungen der Corona-Pandemie wirken bis heute nach. In der Pandemie war ein deutlicher Rückgang ehrenamtlichen Engagements in Jugendverbänden zu beobachten – die Folgen sind längst nicht überwunden.

Genau hier setzt das gemeinsame Praxisforschungsprojekt des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg an. Unter Leitung von Prof. Dr. Gunda Voigts wurde von 2023 bis 2025 untersucht, mit welchen Herausforderungen ehrenamtlich engagierte junge Menschen in Jugendverbänden konfrontiert sind und was für eine konzeptionelle Zukunftsausrichtung von Jugendverbandsarbeit erforderlich ist. Die Ergebnisse liegen inzwischen als Buch vor: „Ehrenamtliches Engagement junger Menschen in Jugendverbänden. Ein Praxisforschungsprojekt zur Zukunft von Jugendverbandsarbeit nach Corona" (Gunda Voigts / Sureija Gotzmann / Maja Reifegerst, Beltz Juventa 2026, 373 Seiten). Die Studie ist im Open Access erschienen und kann als PDF-Dokument kostenlos heruntergeladen werden:  Download bei Beltz Juventa.

Zentrale Ergebnisse und Herausforderungen

Die Studie zeichnet ein differenziertes, teils alarmierendes Bild: Für viele junge Menschen wird es zunehmend schwieriger, sich ehrenamtlich zu engagieren. Die Schulzeit breitet sich in bisherige Freizeiträume aus, und die aktuellen Studien- und Ausbildungsbedingungen lassen wenig Raum für Engagement. Zugleich fühlen sich junge Ehrenamtliche von Gesellschaft und Politik zu wenig anerkannt und wertgeschätzt. Hohe bürokratische Anforderungen belasten das freiwillige Engagement zusätzlich. Weitere Herausforderungen: ungleiche Zugangschancen und soziale Ungleichheiten, wachsende pädagogische Ansprüche an junge Ehrenamtliche sowie Spannungsfelder zwischen den Prinzipien jugendverbandlichen Handelns und gesellschaftspolitischen Entwicklungen – etwa im Hinblick auf Demokratie und Partizipation. Die Digitalisierung ist mit der Pandemie zum Standard geworden und erfordert eine immer wieder zu modernisierende technische Ausstattung.

Aus den empirischen Ergebnissen formulieren die Autor*innen zwölf Handlungsempfehlungen für die Zukunft des Engagements junger Menschen – darunter mehr zeitliche Freiräume neben Schule, Ausbildung und Studium, mehr gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung, Bürokratieabbau, bessere Förderstrukturen, die Stärkung von Beteiligungsmöglichkeiten sowie Unterstützung für das anspruchsvolle pädagogische Wirken junger Ehrenamtlicher.

#Forschungsfreitag: Wir bleiben am Thema dran

Im Rahmen des #Forschungsfreitags – unseres Online-Formats, in dem sechs- bis siebenmal im Jahr aktuelle Studien rund um die evangelische Jugendarbeit präsentiert, diskutiert und für die eigene Praxis reflektiert werden – haben wir uns mit der Studie auseinandergesetzt.

Der nächste #Forschungsfreitag findet am Freitag, 4. Dezember 2026, von 10 bis 12 Uhr per Zoom statt und steht unter dem Thema „Multiprofessionelle Teams – Input und Austausch für evang. Jugendarbeit": Manuela Hees stellt erste Erkenntnisse aus ihrem laufenden Promotionsvorhaben vor. In einem Kooperationsprojekt mit dem Zentrum Diakonat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg wurden Diakon:innen zu ihrer Rolle in der multiprofessionellen Zusammenarbeit im Kontext der Konfi-Arbeit befragt. Daraus ergeben sich wichtige Impulse für das zukünftige Miteinander verschiedener Berufsgruppen in Jugendarbeit und Kirche. Darüber hinaus gibt Manuela Hees gerne Einblick in den Weg zu einer Promotion zu Themen der evangelischen Jugendarbeit. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, es gibt keine Teilnahmegebühr.

Die weiteren Termine sind bereits festgelegt, jeweils freitags von 10 bis 12 Uhr per Zoom:

  • 15.01.2027
  • 12.03.2027
  • 23.04.2027
  • 04.06.2027
  • 02.07.2027
  • 12.11.2027
  • 10.12.2027
  • 14.01.2028

Eingeladen sind Hauptamtliche, Fachleute, Studierende und alle weiteren Interessierten aus dem Feld der Kinder- und Jugendarbeit. Verpasste Forschungsfreitage können nach etwa 14 Tagen als Videos auf der digitalen Lernplattform  jugendarbeit.de nachgeschaut werden – weitere Informationen und die Zoom-Zugangsdaten finden Sie in unserem  Veranstaltungskalender.

Der #Forschungsfreitag ist eine bundesweite Kooperation mit dem Studienzentrum Josefstal und der Evangelischen Jugendarbeit in Bayern, Hannover, Württemberg, Westfalen, Rheinland, Baden und Hessen-Nassau. Aus dem Fachbereich Kinder und Jugend im Zentrum Bildung in Kindheit und Jugend der EKHN betreut ihn Barbara Reis (barbara.reis(at)ekhn.de), Leitung: Simone Reinisch (simone.reinisch(at)ekhn.de).

Hör-Tipp

Ergänzend empfiehlt sich die Podcast-Folge „Berufsjugendlich", in der es darum geht, wie es um das ehrenamtliche Engagement junger Menschen nach der Pandemie steht, welche Herausforderungen Jugendverbände aktuell bewältigen müssen und welche Lösungen es für die Zukunft der Jugendverbandsarbeit gibt:  Berufsjugendlich, Episode 61.