Konferenz der Kinder- und Jugendarbeit 2026 – Partizipation lebendig gestalten

veröffentlicht 07.09.2026 von Fachbereich Kinder und Jugend, Fachbereich Kinder und Jugend im Zentrum Bildung in Kindheit und Jugend

Presseerklärung: Kloster Höchst, 05. September 2026

„Partizipation von Anfang an – Kinderrechte und Demokratiebildung in Deutschland“

Unter diesem Motto stand die diesjährige Konferenz der Kinder- und Jugendarbeit im Kloster Höchst (Odenwald), die vom Fachbereich Kinder und Jugend der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Kooperation mit der Evangelischen Jugend Hessen-Nassau E.V. (EJHN) veranstaltet wurde. Vom 04. bis 05. September 2026 kamen Fachkräfte, Ehrenamtliche und Engagierte zusammen, um über die Umsetzung von Partizipation in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu diskutieren – und vor allem: wie sie gelingen kann.

Fehlerkultur und Lernprozesse: Die F.U.N.-Nacht

Den Auftakt bildete am Freitagabend die Fuck-Up-Nacht (F.U.N.) – ein Format, das Scheitern nicht als Makel, sondern als Chance zum Lernen begreift. Unter dem Motto „fehlertolerant und neustartresilient“ teilten Teilnehmer:innen persönliche Geschichten des Scheiterns aus ihrer Arbeit. Die offene und ehrliche Atmosphäre zeigte: Fehler sind menschlich – und genau das macht sie wertvoll. Die F.U.N. wurde so zu einem Raum, in dem Begrenztheit nicht versteckt, sondern geteilt wurde – eine „wunderbare evangelische Erfahrung“, wie es eine Teilnehmerin formulierte.

Partizipation als Recht, Haltung und Praxis

Am Samstag stand die substantielle Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt. Basierend auf der UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 12) und aktuellen Erkenntnissen aus der Demokratiepädagogik (u. a. John Dewey, Gerhard Himmelmann) wurde diskutiert, wie Partizipation über bloße Anhörung hinausgeht. Echte Beteiligung bedeutet Machtteilung – und damit die Bereitschaft von Erwachsenen, Entscheidungsspielräume abzugeben.

Besonders beleuchtet wurden:

  • Strukturelle Herausforderungen: Fehlende Ressourcen, Zeit und Kompetenzen in der Umsetzung.
  • Kulturelle Barrieren: Hierarchisches Denken und mangelnde Augenhöhe zwischen Erwachsenen und Jugendlichen.
  • Soziale Ungleichheit: Kinder und Jugendliche mit geringem Bildungshintergrund oder aus benachteiligten Verhältnissen sind in Beteiligungsprozessen oft unterrepräsentiert.

Die aktuellen AID:A-Daten (DJI-Studie „Aufwachsen in Deutschland“) und der UNICEF-Bericht 2025 unterstreichen die Dringlichkeit: 45 % der 12- bis 17-Jährigen mit geringem Bildungshintergrund sind nicht gesellschaftlich oder politisch aktiv – bei Gleichaltrigen mit hohem Bildungshintergrund sind es nur 12 %.

Forderungskatalog für die Zukunft

In Arbeitsgruppen wurden konkrete Forderungen entwickelt, die vom Landesjugendpfarrer Matthias Braun an das Dezernat kirchliche Dienste der EKHN weitergegeben werden. Wesentliche Eckpfeiler des Forderungskatalogs sind Mindeststandards und eine angemessene Ausstattung für eine jugendgerechte Kirche, die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements als unverzichtbarer Säule kirchlicher Arbeit sowie Maßnahmen zur Personalgewinnung, insbesondere die Schaffung von Praktikums-, FSJ- und BFD-Stellen und die Ermöglichung dualer Studiengänge.

Ziel ist es, Partizipation in der evangelischen Jugendarbeit verbindlich, inklusiv und machtwirksam zu verankern. „Beteiligung heißt: Verantwortung teilen und Vertrauen schenken“, so das Fazit der Konferenz.

Ein Appell zum Handeln

Die Konferenz endete mit einer zentralen Frage an alle Teilnehmer:innen: „Was würdest du morgen bei Arbeitsantritt anders machen, wenn du Partizipation wirklich ernst nimmst?“ Die Antworten waren so vielfältig wie die Teilnehmenden selbst – doch der gemeinsame Nenner war klar: Partizipation ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit für eine lebendige Demokratie.

Veranstalter und Kontakt

Fachbereich Kinder und Jugend / Zentrum Bildung in Kindheit und Jugend (EKHN)

Evangelische Jugend Hessen-Nassau E.V. (EJHN)

Ansprechpartnerin: Annette Kommritz (annette.kommritz(at)ekhn.de)  

Leitung: Matthias Braun, Landesjugendpfarrer der EKHN

Hintergrund:

Die Konferenz knüpfte an den Bericht zur Lage der Kinder und Jugend der EKHN an und verband wissenschaftliche Hintergründe (u. a. vom Deutschen Jugendinstitut, DJI) mit praktischen Erfahrungen. Die Ergebnisse fließen in die weitere Arbeit des Fachbereichs ein – für eine Kirche, die junge Menschen nicht nur hört, sondern ihnen echte Gestaltungsmacht gibt.